Ein kleines Projekt darf klein bleiben.
Eine Website für einen Handwerksbetrieb ist kein Konzern-Relaunch. Trotzdem wird sie oft so behandelt – mit Workshops, Stufen und einer Sprache, die vor allem eines soll: groß klingen.
Wofür der ganze Aufwand eigentlich gedacht war
Persona-Workshops, Stakeholder-Runden, dreistufige Freigabeschleifen: Das sind keine schlechten Werkzeuge. Sie wurden für Organisationen entwickelt, in denen zwanzig Leute an einer Entscheidung hängen und ein Fehler richtig teuer wird.
Ein Blumenladen, eine Physiotherapiepraxis, ein Elektrobetrieb mit vier Mitarbeitern sind keine solchen Organisationen. Dort entscheidet eine Person, und die kennt ihre Kundschaft besser als jeder Workshop es herausarbeiten könnte.
Die eigentliche Frage
Nicht: Welches Verfahren wirkt am professionellsten? Sondern: Was braucht dieser eine Betrieb tatsächlich, um online zu funktionieren?
Woran man ein aufgeblasenes Projekt erkennt
Ein paar zuverlässige Anzeichen dafür, dass ein Projekt größer gemacht wurde, als es sein müsste:
- Ein Kickoff-Termin für drei Textfelder. Wenn ein Auftaktmeeting länger dauert, als der eigentliche Inhalt zu erfassen wäre, stimmt die Relation nicht.
- Personas für eine Zielgruppe, die man persönlich grüßt. Wer seine Laufkundschaft beim Vornamen kennt, braucht kein fiktives Nutzerprofil, um sie zu verstehen.
- Fachbegriffe, die niemand erklärt. „Sitemap“, „Conversion Funnel“, „Content-Cluster“ – nützliche Wörter unter Fachleuten, aber ein Nebelvorhang, wenn sie benutzt werden, um Rückfragen zu verhindern.
- Ein Angebot, das sich erst nach dem dritten Telefonat versteht. Was kompliziert klingt, ist oft kompliziert gemacht – nicht kompliziert, weil es das sein müsste.
Ein Projekt aufzublasen ist leicht. Es klein zu halten, ist die eigentliche Arbeit.
Marcel Schuler · Neu gedachtHoheitswissen ist kein Kompliment
Es gibt eine bequeme Methode, sich als Agentur unentbehrlich zu machen: Wissen zurückhalten. Nicht erklären, wie etwas funktioniert, sondern nur, dass es funktioniert – und dass man selbst dafür gebraucht wird. Jede Nachfrage endet dann bei genau einer Person oder Firma.
Das nenne ich Hoheitswissen, und ich halte es für das Gegenteil von gutem Handwerk. Ein Betrieb, der seine eigene Website nicht versteht, ist kein zufriedener Kunde – er ist ein abhängiger.
Die Gegenprobe
Könnten Sie nach unserem Projekt jemand anderem erklären, wie Ihre Website aufgebaut ist und warum? Wenn nicht, habe ich meinen Job nicht zu Ende gemacht.
Was klein bleiben in der Praxis heißt
- Fertige Entwürfe statt endloser Briefing-Runden – Sie sehen etwas Konkretes, bevor Sie sich festlegen
- Feste Preise statt Stundensätzen, die erst am Ende überraschen
- Ein Ansprechpartner statt eines Projektteams, das sich untereinander abstimmt
- Erklärungen in Ihrer Sprache statt in der Sprache der Branche – dafür gibt es auf dieser Seite sogar eine eigene Arbeitsprobe
- Ein Ergebnis, das Sie im Alltag pflegen können, nicht eines, das Sie an mich bindet
Das ist auch der rote Faden durch die übrigen Stücke hier: warum ein schweres System oft die falsche Antwort ist, warum drei Felder manchmal reichen und was es kostet, sich nicht an die eigene Seite zu trauen.
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