ms. – Marcel Schuler
Technische Redaktion

Warnhinweise, die im richtigen Moment stehen.

Ein Warnhinweis im Vorwort schützt niemanden. Er muss dort stehen, wo gehandelt wird.

Warum die Sammelstelle nicht funktioniert

In vielen Anleitungen stehen alle Sicherheitshinweise gebündelt auf den ersten Seiten. Das ist bequem für die Erstellung und nutzlos für die Anwendung: Gelesen wird beim Einrichten, gebraucht wird beim Arbeiten – oft Wochen später und von jemand anderem.

Der Hinweis muss an der Stelle auftauchen, an der die gefährliche Handlung beginnt. Alles andere verlagert die Verantwortung auf das Gedächtnis der Anwendenden.

Die Prüffrage

Wer den Hinweis übersieht: Was passiert dann? Wenn die Antwort mehr ist als ein Kratzer, gehört er in den Handlungsschritt und nicht ins Vorwort.

Der Aufbau nach SAFE

1

Signalwort

Gefahr, Warnung oder Vorsicht – abgestuft nach der Schwere der möglichen Folge, nicht nach Bauchgefühl.

2

Art und Quelle

Was genau ist gefährlich? „Heiße Oberfläche“ ist eine Angabe, „Vorsicht bei Wartung“ ist keine.

3

Folge und Abwehr

Was passiert, wenn nichts getan wird – und welche Handlung es verhindert. In dieser Reihenfolge, in einem Satz.

Woran man schlechte Hinweise erkennt

  • Inflation: Wenn auf jeder Seite eine Warnung steht, liest man keine mehr
  • Verallgemeinerung: „Sicherheitsvorschriften beachten“ sagt nichts
  • Rechtsdeutsch: Sätze, die nur der Jurist versteht, schützen nur den Juristen
  • Falsche Stufe: „Gefahr“ für einen Sachschaden entwertet das Wort
  • Grafik ohne Text: Piktogramme allein sind mehrdeutig
  • Nachträglich eingefügt: Hinweise, die den Ablauf unterbrechen, statt Teil von ihm zu sein

Wie sicher sind Ihre Anleitungen?

Bei einem Audit sehe ich mir zuerst die Warnhinweise an – dort zeigt sich in einer Stunde, wie solide die Dokumentation insgesamt gebaut ist.

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